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Botschafter i.R. Dkfm. Dr. Paul LEIFER (RG 1955)

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Botschafter i.R. Dkfm. Dr. Paul Leifer (RG 1955), geboren am 14.4.1937 in Graz, verheiratet mit Dipl.Dolm. Helga Leifer-Zink, war von 1947 – 1955 (der 3. Nachkriegs-Klasse) im Internat in Strebersdorf.

Nach Ablegung des Dkfm. an der (damaligen) Hochschule für Welthandel im Jahre 1958 und einer ersten beruflichen Erfahrung in der Creditanstalt-Bankverein ging er 1959 als Fulbright-Stipendiat in die USA., wo er 1961 den M.A. in Nationalökonomie und Politikwissenschaften an der Tulane University in New Orleans erhielt. Motiviert durch anschließende Tätigkeiten bei der österr. Vertretung bei den Vereinten Nationen und im UNO-Sekretariat in New York absolvierte er weitere postgraduale Studien in Genf und Paris. Ende 1963 nach Wien zurückgekehrt, setzte er seine wissenschaftlichen Studien im gerade gegründeten Institut für Höhere Studien und Wissenschaftliche Forschung fort, die er Ende 1964 mit dem Dr. rer.comm. abschloss.

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1965 in den österr. Diplomatischen Dienst eingetreten, arbeitete er zunächst an den österr. Botschaften in Israel und Indonesien. Nach Einsätzen als österr. Geschäftsträger in Chile (1973-74) und als Gesandter an der österr. Botschaft Moskau (1975-77) war er 1977-82 als österr. Botschafter in Nigeria, Ghana, Liberia und Sierra Leone akkreditiert. 1982-85 leitete er die Abteilung für multilaterale Wirtschaftsbeziehungen im Außenministerium. Dann folgten weitere Botschafter-Funktionen im damaligen Jugoslawien und Albanien (1985-91) sowie in Marokko (1991-94). Als Direktor der Diplomatischen Akademie (1994-99) gliederte er diese traditionsreiche Institution aus der Bundesverwaltung aus und machte sie zu einer autonomen Anstalt öffentlichen Rechts; dieser Funktion verdankt er u.a. das Ehrendoktorat der Diplomatischen Akademie Moskau (1995) sowie den von der Universität Wien und der Diplomatischen Akademie der Universität Wien 2000 verliehenen Honorary Master of Advanced International Studies (M.A.I.S. h.c.). Er beendete seine aktive diplomatische Laufbahn als österr. Botschafter in Irland (1999-2002). Im „Ruhestand“ ist er ehrenamtlich als Vorstandsmitglied des Instituts für den Donauraum und Mitteleuropa (IDM), für das er den gemeinsam mit der Universität Wien angebotenen postgradualen M.A.- Lehrgang „Interdisziplinäre Balkanstudien“ entwickelt hat, als Vorsitzender einer Privatstiftung und als Rotarier tätig.

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Als junger Botschafter (1978) in Accra (Ghana) bei der Überreichung der Beglaubigungsurkunde
 

 

LEIFER-Marokko_300 Überreichung des Beglaubigungsschreibens an den marokkanischen König Hassan II im Juni 1999. Links im Hintergrund der damaligen Kronprinz und jetzigen König Mohammed VI

Was hat er aus Strebersdorf fürs Leben mitgenommen?

In erster Linie Eigenschaften und Prägungen, die heutzutage weitgehend aus der Mode gekommen zu sein scheinen, die sich aber für meinen beruflichen Werdegang und meine persönliche Entwicklung von größerer Bedeutung erwiesen als die solide Mittelschulausbildung, die wir damals erhielten. Beispielsweise die für meine Studien und das Berufsleben so wertvolle Fähigkeit, sich ganz auf eine Sache konzentrieren zu können, die durch das tägliche „Studium“ ohne äußere Ablenkungsmöglichkeiten gefördert wurde. Dasselbe gilt auch für Ordnungssinn und Selbstdisziplin, zu denen wir nachhaltig angeleitet wurden. Das Alltagsleben in einer Klassengemeinschaft war für mich als Einzelkind eine unersetzliche Erfahrung im ständigen Testen der Auswirkungen meines Verhaltens und somit die Schulung zu einer kritischen Selbsteinschätzung und zu Teamfähigkeit.
Die Schulbrüder verwendeten zahlreiche Erziehungsmethoden, die zur Persönlichkeitsbildung beitragen sollten; dazu gehörte auch die Erziehung zur Wertschätzung und Ausübung von Musik, die mich für mein ganzes Leben bereicherte. Im Gegensatz zu einigen meiner Klassenkameraden habe ich die religiösen Pflichten, aber auch so manche aus heutiger Sicht vielleicht als pädagogisch problematisch erscheinende Maßnahme nicht als Zwang sondern als ein (möglicherweise nicht immer taugliches) Instrument zur Vermittlung von bleibenden moralischen und menschlichen Werten empfunden. Wenn auch unsere Erzieher nicht ganz frei von menschlichen Eifersüchteleien und kleinen Eitelkeiten waren – ihre aufrichtige Absicht, aus uns nützliche und anständige Mitglieder der Gesellschaft (und Kirche) machen zu wollen, kann wohl niemand in Abrede stellen. Dies verlieh ihnen eine Autoriät, die ich ohne Probleme akzeptieren konnte.
Aus einem Elternsprechtag ist mir folgende Aussage des Schuldirektors in Erinnerung, die den selbstlosen Einsatz der damaligen Schulbrüder-Generation kaum treffender zum Ausdruck bringt: wir Internatserzieher können immer nur die zweitbeste Lösung gegenüber einer intakten Familie bieten. Für mich als Halbwaisen erwies sich jedenfalls die 8-jährige Internatserfahrung in Strebersdorf durchaus als eine „Ersatz-Kinderstube“, der ich in Dankbarkeit verbunden bleibe.
LEIFER mit Fischer_600

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