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HERBERT STEPIC über Bildung, eigener Werdegang und Weltoffenheit

 Dr. Herbert Stepic, Vorstandsvorsitzender der Raiffeisen     International Bank-Holding AG sprach bei der Begegnung mit erfolgreichen Strebersdorfern zu den Themen Bildung, eigener Werdegang und Weltoffenheit:  

Herbert Stepic"Der Mensch ist, was er sein soll, erst durch Bildung“, sagte der deutsche Philosoph Georg Wilhelm Hegel und er spricht mir damit aus der Seele. Ich bin überzeugt, dass eine umfassende Allgemeinbildung die Grundvoraussetzung für Offenheit, Toleranz und Weitblick ist. Der Wille, Neues kennen zu lernen, war und ist ein wichtiger Antrieb in meinem Leben und ich setze das „Über-den- Tellerrand-Blicken“ auch bei meinen Mitarbeitern in der Raiffeisen International voraus.

Unser aufgeschlossenes Denken und Handeln hat uns den Weg an die Spitze der Banken in Zentral- und Osteuropa – einer Region, die von einer unglaublichen Dynamik geprägt ist – geebnet. Der Grundstein für meine eigene Neugierde und Weltoffenheit wurde während meiner Kindheit und Schulzeit gelegt. Meine Eltern hatten ein Textilhandelsunternehmen und zu vielen unserer ausländischen Handelspartner gab es auch private Kontakte.

So kam ich schon sehr früh mit fremden Kulturen in Berührung. Zwar sind bereits mehr als 40 Jahre seit meiner Matura im Realgymnasium der Schulbrüder Strebersdorf vergangen, aber die dort verbrachte Zeit hat mich wie kaum eine andere geprägt und ich denke nach wie vor gerne an jene Jahre zurück.

Als ich im Alter von acht Jahren in das Internat eintrat, bedeutete das eine unglaubliche Umstellung. Plötzlich lebte ich in einem völlig neuen Umfeld, durfte nur noch alle drei Wochen zu meinen Eltern nach Hause fahren und musste mich an sehr strenge Regeln halten. Ich lernte schnell, dass ich mich von nun an Tag für Tag beweisen musste und selbst für mich verantwortlich war. In mir wuchs damals der unbändige Wille, mich zu bewähren – und dieser Wille ist heute noch eine Konstante in meinem Leben. Je größer ein Problem ist, desto mehr fühle ich mich herausgefordert, es zu lösen. Diese Eigenschaft sollte mir in meinem späteren Berufsleben sehr hilfreich sein.

Während meiner Schulzeit hat mich unser Erzieher Bruder Bruno Schmid, der später Direktor und Provinzial der Schuldbrüder für Österreich und Zentraleuropa wurde, besonders geprägt. Sein Umgang mit Menschen, sein Charisma und seine Aufgeschlossenheit sind für mich unvergesslich. Ich verdanke ihm sehr viel, schließlich war er es, der in mir eine Führungspersönlichkeit heranwachsen sah. Er unterstützte mich dabei, diese Eigenschaft weiter zu entwickeln.

Nach der Schule studierte ich Handelswissenschaften an der Hochschule für Welthandel (dem Vorgänger der WU Wien). 1972 promovierte ich und machte in einem mittelständischen Industrieunternehmen meine erste Berufserfahrung. Ein Jahr später stieg ich bei der Genossenschaftlichen Zentralbank (der heutigen Raiffeisen Zentralbank Österreich AG) ein, wo ich mit dem Aufbau des Außenhandels- Services und damit demAuslandsgeschäft der damals fast ausschließlich auf das Inland konzentrierten Bank beauftragt wurde.

Da ich diese Aufgabe mit großem Engagement und durchaus erfolgreich bewältigte, wurde ich 1987 zum Vorstand bestellt. Im Jahr 1989 waren es meine Vorstandskollegen und die Aufsichtsräte der Raiffeisen Zentralbank, die ihre Weltoffenheit, aber auch ihr Vertrauen bewiesen, als ich mit meinem Konzept der Osteuropaexpansion an sie herantrat. Begünstigt wurde diese Entscheidung durch die positivenErfahrungen mit unserer Bank in Ungarn, die wir 1986 – also drei Jahre vor dem Fall des Eisernen Vorhangs – gegründet hatten.

Die politische und wirtschaftliche Öffnung Osteuropas war aus meiner Sicht eine Jahrhundertchance, die sowohl von uns als Bank als auch von Österreichs Wirtschaft genutzt wurde. Europa wächst wieder zusammen, Grenzen und Barrieren, die künstlich geschaffen wurden, sind niedergerissen. Österreich weist trotz allen noch immer existierenden Vorbehalten in der Bevölkerung eine kulturelle Vielfalt wie nie zuvor auf. Und dabei stehen wir erst am Anfang dieser Entwicklung.

Herbert StepicAuch unser eigenes Unternehmen hat sich in den mittlerweile mehr als 20 Jahren Osteuropa-Expansion prächtig entwickelt und umspannt mit seinen Tochterbanken, Leasing- und anderen Finanzdienst-leistungsgesellschaften 17 Märkte. Wir sind in den vergangenen zehn Jahren um jeweils rund 40 Prozent gewachsen und betreuen mehr als 13 Millionen Kunden in der Region. Getragen wird dieser Erfolg von mehr als 57.000 Mitarbeitern in über 3.000 Geschäftsstellen.

Unsere Vision ist es, gemeinsam den führenden Bankenkonzern Zentral- und Osteuropas zu schaffen. Ob ich auch in der Lage wäre, einen Konzern dieser Größenordnung ohne meine Ausbildung bei den Schulbrüdern Strebersdorf erfolgreich zu führen? Wahrscheinlich, aber ich als Strebersdorfer weiß, dass mir diese Zeit und dieses Umfeld nicht nur Bildung und Wissen vermittelt hat. Sie hat mir auch das Interesse, täglich etwas Neues dazu zu lernen, auf eigenen Beinen zu stehen, mich in der Gruppe zu bewähren, gesetzte Ziele zu erreichen, für andere einzustehen und damit das wesentliche Rüstzeug zur verantwortungsvollen Führung von Menschen mit auf den Weg gegeben. Daher fühle ich mich den Schulbrüdern Strebersdorf nach wie vor sehr verbunden und der Kontakt mit den Lehrern, Absolventen und Schülern ist mir ein großes Anliegen.

Ein anderes Anliegen möchte ich abschließend ansprechen: Zentral- und Osteuropa spielt eine wichtige Rolle in meinem Leben und daher möchte ich der Region, der ich vieles zu verdanken habe, etwas zurückgeben. Ich hatte die Möglichkeit, eine gute Ausbildung zu erfahren, aber viele Jugendliche aus den ärmsten östlichen Ländern haben keine Schulbildung und dadurch auch kaum eine Möglichkeit, aus ihrer Armut auszubrechen.

Es ist mein Ziel, diesen Jugendlichen im Rahmen eines von mir ins Leben gerufenen Sozialhilfevereins, der „H. Stepic CEE Charity“, die berufliche Ausbildung zu erleichtern und so die Hilfe zur Selbsthilfe zu fördern.

Wenn auch Sie helfen möchten, finden Sie weitere Informationen unter:
www.stepicceecharity.org

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